Timișoara

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Voytek S, Timisoara – Piata Unirii, CC BY-SA 2.5

Timișoara – im Deutschen auch als Temeswar oder Temeschburg bekannt – ist mit rund 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Rumäniens. Die Stadt liegt im historischen Banat und hat starke Bezüge zum deutschsprachigen Raum: Seit 2020 ist mit Dominic Samuel Fritz ein deutscher Politiker Bürgermeister. Die historische Innenstadt wurde im Zuge der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas – den Timișoara 2023 trug – umfassend saniert.

Lage

Timișoara liegt im Westen Rumäniens nahe der Grenze zu Ungarn und Serbien und ist über gut ausgebaute Straßen erreichbar. Der internationale Flughafen Traian Vuia wird auch von Deutschland aus direkt angeflogen. Die Stadt ist die Heimat der sogenannten Banater Schwaben, einer historischen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe der Region. Benannt ist Timișoara nach dem Fluss Timiș (Temesch); durch das begradigte Flussbett fließt heute die Bega durch das Stadtgebiet und prägt das Stadtbild.

Geschichte

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Turbojet, Timisoara, Palatul Mercur (1), CC BY-SA 4.0

Im Mittelalter wechselten mehrfach die Herrschaftsverhältnisse über das Gebiet: zeitweise Residenz der Könige von Ungarn und Kroatien, später Teil des Osmanischen Reichs. Ab 1716 stand die Stadt unter österreichischer, später österreichisch-ungarischer Herrschaft und war zeitweise Hauptstadt des Kronlandes Woiwodschaft Serbien und Temescher Banat.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz und die Kanalisierung der Bega ließen die Stadt ab 1857 wirtschaftlich aufblühen. Am 12. November 1884 nahm Timișoara als erste Stadt Europas eine durchgängige elektrische Straßenbeleuchtung in Betrieb.

Im Ersten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend von Kampfhandlungen verschont. Im Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 wurde die Teilung des Banats beschlossen, wodurch Timișoara Rumänien zugeordnet wurde. Im Zweiten Weltkrieg war Rumänien zunächst mit dem Deutschen Reich verbündet; nach dem Sturz des Militärdiktators Ion Antonescu 1944 wechselte das Land die Fronten, woraufhin auch Timișoara von Luftangriffen betroffen war.

Die rumänische Revolution von 1989 nahm ihren Anfang in Timișoara und breitete sich von dort im ganzen Land aus. Sie endete mit dem Sturz und der Erschießung des kommunistischen Machthabers Nicolae Ceaușescu. Seither hat sich die Stadt wirtschaftlich erholt und wurde umfassend saniert.

Sehenswürdigkeiten

Durch die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas floss viel Geld in die Sanierung der Altstadt (weitere Sehenswürdigkeiten Rumäniens auch bei reisefroh.de).

Historische Altstadt

alte gebäude timisoara
Architect: Unknown authorUnknown author Photo: Turbojet, Timisoara, Casa Csasznek, CC BY-SA 4.0

Empfehlenswert ist eine Erkundung der historischen Altstadt, ob geführt oder auf eigene Faust. Neben dem Standort der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung Europas liegt die renovierte orthodoxe Kathedrale mit ihrem begrünten Vorplatz, an dem sich zahlreiche Cafés und Restaurants befinden. Sehenswert sind zudem der neu gestaltete Piața Unirii und der Piața Libertății.

Bega und Parkanlagen

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Antonius Plaian from Timisoara, Romania, Timisoara – Victory Square (2), CC BY 2.0

Entlang der Bega reihen sich mehrere Parkanlagen sowie Bars und Biergärten für eine Pause im Grünen. Besonders bekannt ist der Rosengarten Parcul Rozelor. Mit Kindern eignet sich der Parcul Copiilor zwischen Michelangelo-Brücke und Decebal-Brücke: Auf den Grünflächen entlang der Bega verteilen sich zahlreiche Spielbereiche, der Eintritt ist frei.

Kultur

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LuminitaM, Piata Operei, Timisoara, CC BY-SA 3.0

Auch unabhängig von den Veranstaltungen rund um die Kulturhauptstadt hat Timișoara ein breites kulturelles Angebot: regelmäßige Festivals und Konzerte, ein reges Nachtleben sowie Nationaltheater und Opernhaus, die neben ihrer Architektur auch mit ihrem Spielplan auf sich aufmerksam machen.

Essen und Trinken

Wer rumänische Küche probieren möchte, findet in Timișoara klassische Gerichte wie Mici (gegrillte Hackfleischröllchen) mit Mămăligă (Polenta) oder Sarmale (Krautwickel). Neben regional gebrautem Bier – etwa von der traditionsreichen Brauerei Timișoreana – werden auch frische Limonaden angeboten.

Andere Städte im Westen und in Siebenbürgen

Für eine Rundreise durch den Westen Rumäniens lässt sich Timișoara gut mit Arad oder Oradea verbinden. Wer weiter Richtung Siebenbürgen reist, erreicht Sibiu (Hermannstadt) und Kronstadt. Einen Überblick über die Hauptstadt bietet der Beitrag zu Bukarest.

Häufig gestellte Fragen

Ist Timișoara dasselbe wie Temeswar?

Ja. Temeswar beziehungsweise Temeschburg ist der deutsche Name für Timișoara, ungarisch heißt die Stadt Temesvár. Alle Bezeichnungen meinen dieselbe Stadt im Banat.

Warum war Timișoara 2023 Kulturhauptstadt Europas?

Die Stadt bewarb sich erfolgreich um den Titel und nutzte die Vorbereitungszeit für eine umfassende Sanierung der historischen Altstadt sowie ein erweitertes Kulturprogramm, das über das Jahr 2023 hinaus wirkt.

Wie kommt man nach Timișoara?

Der internationale Flughafen Traian Vuia liegt nahe der Stadt und wird auch direkt aus Deutschland angeflogen. Alternativ ist Timișoara über gut ausgebaute Fernstraßen aus Ungarn und Serbien mit dem Auto erreichbar.

Welche Rolle spielte Timișoara bei der Revolution von 1989?

Die Proteste gegen die Ceaușescu-Regierung begannen im Dezember 1989 in Timișoara und breiteten sich von dort auf das ganze Land aus. Sie gelten als Ausgangspunkt des Sturzes der kommunistischen Herrschaft in Rumänien.

Quellen und weiterführende Links