Rumänien und die EU: Mitgliedschaft, Integration und Bedeutung für Reisende

Beitragsbild: mit KI erstellt

Rumänien ist seit dem 1. Januar 2007 Mitglied der Europäischen Union. Der Beitritt brachte dem Land Zugang zum EU-Binnenmarkt, zu Struktur- und Kohäsionsfonds sowie eine stärkere politische Einbindung in europäische Entscheidungsprozesse. Für den Zeitraum 2024–2029 entsendet Rumänien 34 Abgeordnete ins Europäische Parlament. Im ersten Halbjahr 2019 übernahm das Land turnusgemäß den Vorsitz im Rat der Europäischen Union.

Dem Beitritt ging ein langer Prozess voraus: Rumänien stellte 1995 den offiziellen Antrag auf EU-Mitgliedschaft, die Beitrittsverhandlungen wurden Ende 2004 abgeschlossen, und im April 2005 unterzeichnete das Land gemeinsam mit Bulgarien den Beitrittsvertrag. Zwischen Vertragsunterzeichnung und tatsächlichem Beitritt lagen damit knapp zwei Jahre, in denen Rumänien vereinbarte Reformschritte umsetzen musste.

Bedeutung für Reisende: Schengen-Beitritt 2024/2025

Für Reisende besonders relevant ist der vollständige Beitritt Rumäniens zum Schengen-Raum: Seit dem 31. März 2024 entfallen Kontrollen an den Luft- und Seegrenzen, seit dem 1. Januar 2025 auch an den Landgrenzen zu den Nachbarländern. Wer heute mit dem Auto etwa aus Ungarn oder Bulgarien nach Rumänien einreist, durchquert damit keine Grenzkontrollstelle mehr. Zuvor war Rumänien zwar EU-Mitglied, gehörte aber noch nicht zum kontrollfreien Schengen-Raum. Praktische Hinweise für die Anreise mit dem eigenen Auto bietet der Ratgeber Von Rumänien nach Deutschland; wer lieber ohne eigenes Fahrzeug reist, findet Alternativen im Beitrag Bustouren durch Rumänien.

2007EU-Beitritt2019EU-Rats-vorsitz2024SchengenLuft/See2025SchengenLandgrenzen
Wichtige Etappen der EU-Integration Rumäniens.

Rolle in EU-Institutionen

Neben der Vertretung im Europäischen Parlament unterhält Rumänien eine Ständige Vertretung bei der EU in Brüssel, die die Interessen des Landes in laufenden Gesetzgebungsverfahren einbringt. Die Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2019 war die bislang einzige rumänische EU-Ratspräsidentschaft und fiel in eine Phase intensiver Verhandlungen zum EU-Haushalt und zum Brexit-Prozess.

Kontrollmechanismus für Justiz und Korruptionsbekämpfung

Weil rumänische Justizreform und Korruptionsbekämpfung beim Beitritt 2007 noch als unzureichend galten, richtete die EU-Kommission parallel zum Beitritt den sogenannten Kooperations- und Kontrollmechanismus (CVM) ein. Er verpflichtete Rumänien über 16 Jahre zu regelmäßigen Fortschrittsberichten zu Justizsystem, Korruptionsbekämpfung und organisierter Kriminalität. Die EU-Kommission stellte den Mechanismus im September 2023 ein, nachdem sie ausreichende Fortschritte festgestellt hatte; seither wird Rumänien wie andere Mitgliedstaaten im regulären EU-Rechtsstaatlichkeitsbericht bewertet.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Mitgliedschaft

EU-Fördermittel haben seit 2007 zum Ausbau von Infrastruktur in Rumänien beigetragen, etwa bei Straßenbau, Abwassersystemen und kommunalen Projekten in ländlichen Gemeinden. Für den laufenden Förderzeitraum 2021–2027 stehen Rumänien im Rahmen der EU-Kohäsionspolitik umfangreiche Mittel für Infrastruktur, Umwelt und regionale Entwicklung zur Verfügung; hinzu kommt der Corona-Wiederaufbaufonds NextGenerationEU. Rumäniens nationaler Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) wurde nach Verhandlungen mit Brüssel von ursprünglich rund 28,5 auf etwa 21,4 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten angepasst; Auszahlungen erfolgen weiterhin in Tranchen, sobald vereinbarte Reform- und Investitionsziele nachgewiesen sind (Stand 2025/2026, Beträge können sich durch weitere Verhandlungen ändern). Gleichzeitig bringt die Mitgliedschaft Herausforderungen mit sich: Kleine landwirtschaftliche Betriebe stehen im verstärkten Wettbewerb mit importierten Produkten und haben teils Schwierigkeiten, EU-Agrarfördermittel zu beantragen, die eher größeren, formal organisierten Betrieben zugutekommen. Seit dem EU-Beitritt ist zudem eine erhebliche Auswanderung rumänischer Arbeitskräfte in andere EU-Länder zu beobachten, was in mehreren Regionen zu Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel führt.

Noch kein Euro: Rumänien und die Währungsunion

Trotz EU-Mitgliedschaft gehört Rumänien nicht zur Eurozone und zahlt weiterhin mit dem Rumänischen Leu (RON). Ein Beitritt setzt voraus, dass das Land zunächst mindestens zwei Jahre stabil am Wechselkursmechanismus II teilnimmt und die Konvergenzkriterien zu Preisstabilität, Haushaltsdisziplin, Zinsniveau und Wechselkursstabilität dauerhaft erfüllt. Frühere rumänische Zielmarken für die Euro-Einführung, teils schon für 2026 genannt, gelten inzwischen als überholt: 2025 überschritt das Haushaltsdefizit den EU-Referenzwert von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich, weshalb die EU-Kommission ein Defizitverfahren gegen Rumänien eröffnete. Ein verbindliches neues Zieldatum für den Euro-Beitritt gibt es Stand 2026 nicht (Angaben zu Terminen und Kriterien ändern sich mit der wirtschaftspolitischen Lage).

Bereich Positive Entwicklung seit EU-Beitritt Herausforderung
Wirtschaft und Handel Zugang zum EU-Binnenmarkt, Infrastrukturausbau Starker Wettbewerb, Abwanderung von Arbeitskräften
Landwirtschaft Zugang zu EU-Fördermitteln Konkurrenz durch Importe, Fördermittel oft schwer zugänglich für Kleinbetriebe
Reisefreiheit Vollständige Schengen-Mitgliedschaft seit Januar 2025
Währung Kein Euro-Beitrittstermin, Konvergenzkriterien 2025/2026 nicht erfüllt
EU Herausforderungen und Entwicklungen in Rumänien
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Wer die neue Reisefreiheit für eine Rundreise nutzen möchte, findet Anregungen im Beitrag Die schönsten Reiseziele in Rumänien.

Verbindung zur NATO-Mitgliedschaft

Neben der EU ist Rumänien auch NATO-Mitglied, was die sicherheitspolitische Einbindung des Landes in westliche Bündnisstrukturen ergänzt. Einen Überblick über diesen Aspekt bietet der Beitrag Rumänien und die NATO-Mitgliedschaft.

Häufig gestellte Fragen

Seit wann ist Rumänien EU-Mitglied?

Rumänien trat der Europäischen Union am 1. Januar 2007 gemeinsam mit Bulgarien bei.

Braucht man als EU-Bürger einen Reisepass für Rumänien?

Für Bürgerinnen und Bürger aus EU- und Schengen-Staaten genügt ein gültiger Personalausweis. Seit dem vollständigen Schengen-Beitritt Rumäniens im Januar 2025 entfallen zudem Grenzkontrollen an den Landgrenzen zu den Nachbarländern.

Wie viele Abgeordnete entsendet Rumänien ins Europäische Parlament?

Für die Wahlperiode 2024–2029 stellt Rumänien 34 Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Hatte Rumänien schon einmal den EU-Ratsvorsitz inne?

Ja, im ersten Halbjahr 2019 übernahm Rumänien turnusgemäß den Vorsitz im Rat der Europäischen Union.

Gehört Rumänien zur Eurozone?

Nein, Rumänien zahlt weiterhin mit dem Rumänischen Leu (RON) und hat den Euro bislang nicht eingeführt. Ein verbindliches Beitrittsdatum gibt es derzeit nicht, da zentrale Konvergenzkriterien 2025/2026 nicht erfüllt sind.

Was war der Kooperations- und Kontrollmechanismus (CVM)?

Der CVM war ein von 2007 bis September 2023 laufendes EU-Beobachtungsverfahren zu Justizreform und Korruptionsbekämpfung in Rumänien. Nach seiner Einstellung wird das Land wie andere EU-Staaten im regulären Rechtsstaatlichkeitsbericht der Kommission bewertet.

Quellen und weiterführende Links