Biosphärenreservat Donaudelta

biosphärenreservat donaudelta
Pyretus, Danube Delta oct 2006 120, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Dort, wo die Donau ins Schwarze Meer mündet, an der Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine, liegt das Biosphärenreservat Donaudelta. Die UNESCO hat das Gebiet 1991 in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen; im selben Jahr wurde es zudem als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung in die Ramsar-Liste eingetragen. Mit rund 5.800 Quadratkilometern ist das Delta der zweitgrößte Flussdelta Europas nach der Wolga.

Geschichte des Gebiets

Das Donaudelta stand während weiter Teile der Neuzeit unter osmanischer Herrschaft. Mit dem Pariser Frieden von 1856, der den Krimkrieg beendete, übernahm eine internationale Donaukommission die Aufsicht über das Gebiet, und die Arbeiten zur Schiffbarmachung der Donau begannen. Zwischen 1878 und 1940 gehörte das Delta überwiegend zu Rumänien, mit einer Unterbrechung während des Ersten Weltkriegs. Nach der sowjetischen Annexung Bessarabiens 1940 und erneuten Grenzverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg verläuft die Grenze zwischen Rumänien und der heutigen Ukraine seit 1991 durch das nördliche Delta, am Kilia-Arm der Donau.

1990 erklärte Rumänien seinen Teil des Deltas zum Biosphärenreservat, ein Jahr später folgte die UNESCO-Anerkennung. Von den insgesamt rund 5.800 km² stehen etwa 4.178 km² (72 Prozent) unter Naturschutz, verteilt auf 18 streng geschützte Kernzonen und 13 Pufferzonen mit zusammen gut 2.233 km². Seit 2000 trägt das Reservat zusätzlich das Europadiplom für Schutzgebiete des Europarats, das zuletzt 2010 erneuert wurde.

Fauna und Flora des Gebiets

Danube_Delta
Raff, Danube Delta, autumn, CC BY 2.0

Das Gelände ist überwiegend sumpfig, durchzogen von Schilfgürteln, Seen und bewaldeten Flussinseln. Nach UNESCO-Angaben leben im Delta über 300 Vogelarten und rund 45 Süßwasserfischarten. Es beherbergt zudem einen bedeutenden Teil der Weltpopulation von Zwergscharbe und Rothalsgans. Jedes Frühjahr und jeden Herbst rasten hier Millionen Zugvögel aus Europa, Asien und Afrika – die Herbstmonate zählen wegen des Vogelzugs zu den ergiebigsten Reisezeiten.

Botanisch sind schätzungsweise über 1.200 Pflanzenarten dokumentiert. Neben der typischen Sumpfvegetation aus Schilf, Rohrkolben und Seggen gibt es ausgedehnte Waldinseln mit Pappeln, Eichen, Weiden und Wildbirnen – darunter der bekannte Eichenwald von Letea auf Binnendünen, einer der nördlichsten subtropischen Wälder Europas.

Donaudelta in Zahlen5.800 km²Fläche gesamt1991UNESCO-Welterbe seit72 %Naturschutzanteil300+Vogelarten45Süßwasserfischarten1.200+Pflanzenarten
Das Biosphärenreservat Donaudelta in Zahlen: Fläche, Schutzstatus und Artenvielfalt laut UNESCO-Angaben.

Was gibt es im Naturschutzgebiet zu sehen?

delta dunarii
Ben Skála, Benfoto, Danube-Delta2008zl, CC BY-SA 4.0

Das Delta lässt sich nur mit dem Boot erschließen. Die folgenden Angebote und Preise sind Richtwerte; sie sollten vor der Reise beim jeweiligen Anbieter aktuell bestätigt werden.

  • Bootstouren: Eine mehrstündige Tour mit einem langsamen Touristenboot kostet je nach Anbieter etwa 20 bis 40 Euro; eintägige Touren mit dem Schnellboot liegen eher bei 60 bis 80 Euro.
  • Kajak- und Kanutouren: Auf den kleinen Inseln im Delta vermieten mehrere lokale Anbieter Kajaks, Kanus und andere Ruderboote.
  • Dorfbesuche: In den Streusiedlungen des Deltas, etwa entlang des Sulina- oder Sfântu-Gheorghe-Arms, leben Fischerfamilien noch weitgehend von der traditionellen Wirtschaftsweise der Region.
  • Tulcea: Die Hafenstadt am südlichen Rand des Deltas ist Ausgangspunkt der meisten Bootstouren und Sitz der Verwaltung des Biosphärenreservats.

In Tulcea selbst lohnen sich:

  • Ruinen von Aegyssus: Reste der antiken, ursprünglich getischen Siedlung, die später als römisches Kastell ausgebaut wurde.
  • Unabhängigkeitsdenkmal: Der 1904 auf dem Stadthügel errichtete Obelisk erinnert an die im russisch-türkischen Krieg 1877/78 gefallenen rumänischen Soldaten, in dessen Folge Rumänien die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte.
  • Ökotourismus-Museumszentrum Donaudelta: Interaktive Ausstellung zu Geologie und Entstehung des Deltas mit Süßwasseraquarium; der Eintritt liegt Stand der Erhebung bei rund 4 Euro pro Person, aktuelle Preise sind vor Ort zu erfragen.

Praktische Hinweise

Die Hauptsaison liegt zwischen Mai und September, wenn die meisten Bootsanbieter regelmäßig fahren; für Vogelbeobachtung eignen sich Frühling und Herbst besonders gut. Wer die Reise mit anderen Regionen Rumäniens verbinden möchte, findet zum Beispiel bei der Donaudurchbruch-Landschaft am Eisernen Tor einen ganz anderen Abschnitt desselben Flusses, während die Karpaten und die Ebenen der Walachei das landschaftliche Gegenstück zum flachen Delta bilden. Städtereisen nach Bukarest oder Sibiu lassen sich gut an einen Deltabesuch anschließen.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man ins Donaudelta?

Ausgangspunkt ist meist Tulcea, erreichbar mit Bus oder Auto von Bukarest oder Constanța aus. Von Tulcea starten Linienboote, Ausflugsboote und private Anbieter in die verschiedenen Arme des Deltas.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten für einen Besuch?

April bis Juni und September bis Oktober bieten mildes Wetter, weniger Mücken als im Hochsommer und die beste Gelegenheit zur Vogelbeobachtung während des Zugs. Im Juli und August ist es heiß und mückenreich.

Braucht man für das Delta eine Genehmigung?

Für Bootstouren mit lizenzierten Anbietern ist keine gesonderte Genehmigung nötig. In streng geschützten Kernzonen ist der Zugang jedoch reglementiert und nur mit Erlaubnis der Reservatsverwaltung oder im Rahmen geführter Touren möglich.

Ist das Donaudelta für Familien mit Kindern geeignet?

Kürzere Bootstouren und das Ökotourismus-Museumszentrum in Tulcea eignen sich gut für Kinder. Mehrtägige Touren in entlegene Kanäle sind eher für Erwachsene mit Interesse an Natur und Ornithologie gedacht.

Quellen und weiterführende Links