Zum Inhalt springen
Rumänien Tourismus

Timișoara

Von Dennis. Zuletzt aktualisiert am .

Piața Unirii in Timișoara mit dem grünen serbischen Bischofspalast und den Doppeltürmen der serbisch-orthodoxen Kirche
Voytek S, Timisoara - Piata Unirii, CC BY-SA 2.5
timisoara
Voytek S, Timisoara – Piata Unirii, CC BY-SA 2.5

Timișoara – im Deutschen auch als Temeswar oder Temeschburg bekannt – zählt mit rund 250.000 Einwohnern (Volkszählung 2021) zu den größten Städten Rumäniens. Die Stadt liegt im historischen Banat und hat starke Bezüge zum deutschsprachigen Raum: Seit 2020 ist mit Dominic Samuel Fritz ein deutscher Politiker Bürgermeister. Die historische Innenstadt wurde im Zuge der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas – den Timișoara 2023 trug – umfassend saniert.

Lage

Timișoara liegt im Westen Rumäniens nahe der Grenze zu Ungarn und Serbien und ist über gut ausgebaute Straßen erreichbar. Der internationale Flughafen Traian Vuia wird auch von Deutschland aus direkt angeflogen. Die Stadt ist die Heimat der sogenannten Banater Schwaben, einer historischen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe der Region. Benannt ist Timișoara nach dem Fluss Timiș (Temesch); durch das begradigte Flussbett fließt heute die Bega durch das Stadtgebiet und prägt das Stadtbild.

Bis Belgrad sind es auf der Straße rund 150 Kilometer, bis Budapest gut 300 Kilometer. Wegen der vielen Bauten aus der Habsburgerzeit heißt Temeswar auch „Klein-Wien“. Neben Rumänen und Banater Schwaben prägten Ungarn, Serben und jüdische Gemeinden die Stadt über Jahrhunderte. Die deutschstämmige Bevölkerung ist heute nur noch ein kleiner Teil der Einwohnerschaft.

Geschichte

temeswar
Turbojet, Timisoara, Palatul Mercur (1), CC BY-SA 4.0

Im Mittelalter wechselten mehrfach die Herrschaftsverhältnisse über das Gebiet: zeitweise Residenz der Könige von Ungarn und Kroatien, später Teil des Osmanischen Reichs. Ab 1716 stand die Stadt unter österreichischer, später österreichisch-ungarischer Herrschaft und war zeitweise Hauptstadt des Kronlandes Woiwodschaft Serbien und Temescher Banat.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz und die Kanalisierung der Bega ließen die Stadt ab 1857 wirtschaftlich aufblühen. Am 12. November 1884 nahm Timișoara als erste Stadt Europas eine durchgängige elektrische Straßenbeleuchtung in Betrieb.

Im Ersten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend von Kampfhandlungen verschont. Im Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 wurde die Teilung des Banats beschlossen, wodurch Timișoara Rumänien zugeordnet wurde. Im Zweiten Weltkrieg war Rumänien zunächst mit dem Deutschen Reich verbündet; nach dem Sturz des Militärdiktators Ion Antonescu 1944 wechselte das Land die Fronten, woraufhin auch Timișoara von Luftangriffen betroffen war.

Die rumänische Revolution von 1989 nahm ihren Anfang in Timișoara und breitete sich von dort im ganzen Land aus. Sie endete mit dem Sturz und der Erschießung des kommunistischen Machthabers Nicolae Ceaușescu. Seither hat sich die Stadt wirtschaftlich erholt und wurde umfassend saniert.

Die Revolution begann am 16. Dezember 1989 mit Protesten zur Unterstützung des reformierten Pfarrers László Tőkés. Er sollte seine Pfarrwohnung räumen und in die Dorfgemeinde Mineu versetzt werden. Am 20. Dezember rief die Demokratische Front Rumäniens vom Balkon der Oper Timișoara zur ersten vom Kommunismus freien Stadt Rumäniens aus. Denkmäler in der Stadt erinnern an diese Tage.

Herrschaft und Baustile im Überblick

Nach dem Ersten Weltkrieg rückten am 3. August 1919 rumänische Truppen in die Stadt ein. Der Vertrag von Trianon bestätigte 1920 die Zuordnung zu Rumänien.

ZeitraumHerrschaftPrägung im Stadtbild
1552–1716Osmanisches ReichMoscheen und Bäder, heute nicht erhalten
1716–1867HabsburgermonarchieBarock, Festungsstadt, Domplatz (Piața Unirii)
1867–1918Österreich-UngarnHistorismus und Jugendstil
ab 1919RumänienModerne, orthodoxe Kathedrale

Sehenswürdigkeiten

Durch die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas floss viel Geld in die Sanierung der Altstadt (weitere Sehenswürdigkeiten Rumäniens auch bei reisefroh.de).

Historische Altstadt

alte gebäude timisoara
Architect: Unknown authorUnknown author Photo: Turbojet, Timisoara, Casa Csasznek, CC BY-SA 4.0

Empfehlenswert ist eine Erkundung der historischen Altstadt, ob geführt oder auf eigene Faust. Neben dem Standort der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung Europas liegt die renovierte orthodoxe Kathedrale mit ihrem begrünten Vorplatz, an dem sich zahlreiche Cafés und Restaurants befinden. Sehenswert sind zudem der neu gestaltete Piața Unirii und der Piața Libertății.

Orthodoxe Kathedrale in Timișoara
Foto: Miomir Magdevski, „Rumunska saborna crkva 05″, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Piața Victoriei verbindet das Gebäude von Nationaltheater und Oper mit der orthodoxen Kathedrale. Am Piața Unirii, dem ältesten Platz der Stadt und früheren Festungskern, stehen der römisch-katholische Dom sowie Kirchen und Paläste aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Viele der historischen Gebäude wurden vor dem Kulturhauptstadtjahr saniert.

Museen in der Innenstadt

Das Muzeul Consumatorului Comunist (Museum des kommunistischen Konsumenten) zeigt Alltagsgegenstände aus der Zeit vor 1989. Es liegt in der Strada Arhitect László Székely 1, im selben Haus wie die Bar Scârț Loc Lejer; der Eintritt ist frei. Arbeiten des Karikaturisten Ștefan Popa Popa’s zeigt das Popa’s Museum in der Maria-Theresia-Bastion (Strada Martin Luther 4). Prüfen Sie die Öffnungszeiten vorab.

Bega und Parkanlagen

timisoara victory square
Antonius Plaian from Timisoara, Romania, Timisoara – Victory Square (2), CC BY 2.0

Entlang der Bega reihen sich mehrere Parkanlagen sowie Bars und Biergärten für eine Pause im Grünen. Besonders bekannt ist der Rosengarten Parcul Rozelor. Mit Kindern eignet sich der Parcul Copiilor zwischen Michelangelo-Brücke und Decebal-Brücke: Auf den Grünflächen entlang der Bega verteilen sich zahlreiche Spielbereiche, der Eintritt ist frei.

Kultur

Piata_Operei,_Timisoara
LuminitaM, Piata Operei, Timisoara, CC BY-SA 3.0

Auch unabhängig von den Veranstaltungen rund um die Kulturhauptstadt hat Timișoara ein breites kulturelles Angebot: regelmäßige Festivals und Konzerte, ein reges Nachtleben sowie Nationaltheater und Opernhaus, die neben ihrer Architektur auch mit ihrem Spielplan auf sich aufmerksam machen.

Mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar (DSTT) hat die Stadt eine Bühne, die auf Deutsch spielt. Über die Spielzeiten berichtet die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien.

Temeswar als Kulturhauptstadt Europas 2023

2023 war Timișoara (Temeswar) Kulturhauptstadt Europas, gemeinsam mit Veszprém in Ungarn und Elefsina in Griechenland. Nach Sibiu (2007) war sie die zweite rumänische Kulturhauptstadt. Vorgesehen war der Titel für 2021. Wegen der Corona-Pandemie verschob die EU ihn mit dem Beschluss (EU) 2020/2229 auf 2023. Das Motto lautete „Luminează orașul prin tine!“ („Shine your light – Light up your city!“).

Nach Zahlen von Projektzentrum und Stadtverwaltung, die die Landsmannschaft der Banater Schwaben veröffentlichte, gab es rund 2.000 Veranstaltungen mit gut 800 Künstlern und mehr als 350 Organisationen. Gezählt wurden mehr als zwei Millionen Besuche und rund 800.000 registrierte Übernachtungen. Radio Europa Liberă nannte in seiner Bilanz 1,3 Millionen Teilnehmer; die Zahlen hängen davon ab, wie gezählt wurde. Auch die Partnerstädte Gera und Karlsruhe beteiligten sich mit eigenen Programmpunkten.

JahrKulturhauptstädte Europas
2007Sibiu (Rumänien), Luxemburg
2022Novi Sad (Serbien), Kaunas (Litauen), Esch-sur-Alzette (Luxemburg)
2023Timișoara (Rumänien), Veszprém (Ungarn), Elefsina (Griechenland)
2024Tartu (Estland), Bodø (Norwegen), Bad Ischl (Österreich)
2025Chemnitz (Deutschland), Nova Gorica (Slowenien) mit Gorizia (Italien)
2026Oulu (Finnland), Trenčín (Slowakei)

Essen und Trinken

Wer rumänische Küche probieren möchte, findet in Timișoara klassische Gerichte wie Mici (gegrillte Hackfleischröllchen) mit Mămăligă (Polenta) oder Sarmale (Krautwickel). Neben regional gebrautem Bier – etwa von der traditionsreichen Brauerei Timișoreana – werden auch frische Limonaden angeboten.

Praktische Hinweise für den Besuch

Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reichen meist zwei Tage. Die Stadt lässt sich das ganze Jahr besuchen; für lange Rundgänge eignen sich Frühling und Herbst am besten, Klimawerte nennt die Klimatabelle Rumänien. Den Flughafen Timișoara fliegt unter anderem Wizz Air an. Alternativ reisen Sie über Bukarest oder über Serbien (Belgrad, Novi Sad) an und fahren mit Zug oder Bus weiter. Verbindungen und Preise ändern sich, aktuelle Angaben nennen die Airlines sowie Bahn- und Busanbieter.

Andere Städte im Westen und in Siebenbürgen

Für eine Rundreise durch den Westen Rumäniens lässt sich Timișoara gut mit Arad oder Oradea verbinden. Wer weiter Richtung Siebenbürgen reist, erreicht Sibiu (Hermannstadt) und Kronstadt. Einen Überblick über die Hauptstadt bietet der Beitrag zu Bukarest.

Häufig gestellte Fragen

Ist Timișoara dasselbe wie Temeswar?

Ja. Temeswar beziehungsweise Temeschburg ist der deutsche Name für Timișoara, ungarisch heißt die Stadt Temesvár. Alle Bezeichnungen meinen dieselbe Stadt im Banat.

Warum war Timișoara 2023 Kulturhauptstadt Europas?

Die Stadt bewarb sich erfolgreich um den Titel und nutzte die Vorbereitungszeit für eine umfassende Sanierung der historischen Altstadt sowie ein erweitertes Kulturprogramm, das über das Jahr 2023 hinaus wirkt.

Wie kommt man nach Timișoara?

Der internationale Flughafen Traian Vuia liegt nahe der Stadt und wird auch direkt aus Deutschland angeflogen. Alternativ ist Timișoara über gut ausgebaute Fernstraßen aus Ungarn und Serbien mit dem Auto erreichbar.

Welche Rolle spielte Timișoara bei der Revolution von 1989?

Die Proteste gegen die Ceaușescu-Regierung begannen im Dezember 1989 in Timișoara und breiteten sich von dort auf das ganze Land aus. Sie gelten als Ausgangspunkt des Sturzes der kommunistischen Herrschaft in Rumänien.

Welche rumänischen Städte waren Kulturhauptstadt Europas?

Sibiu (Hermannstadt) im Jahr 2007 und Timișoara (Temeswar) im Jahr 2023. Brașov (Kronstadt) trug den Titel nicht.

Warum wird Temeswar „Klein-Wien“ genannt?

Wegen der vielen Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die in der Zeit der Habsburgermonarchie entstanden.

Wann erklärte sich Timișoara zur ersten freien Stadt Rumäniens?

Am 20. Dezember 1989. Die Demokratische Front Rumäniens verkündete es vom Balkon der Oper.

In der Nähe