Galați (Galatz): Hafenstadt an der Donau in der Moldau-Region

Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Galați, im Deutschen auch Galatz, ist die Kreishauptstadt des gleichnamigen Kreises in der Moldau-Region im Osten Rumäniens. Die Stadt liegt an der Donau nahe den Mündungen der Flüsse Sereth und Pruth und ist seit dem 19. Jahrhundert einer der wichtigsten Binnenhäfen des Landes. Dieser Beitrag ordnet Geschichte, multikulturelle Vergangenheit und heutige wirtschaftliche Bedeutung der Stadt.

Lage und heutige Bedeutung als Hafenstadt

Galați liegt an einer strategisch günstigen Position an der unteren Donau und ist sowohl Binnenhafen als auch Eisenbahnknotenpunkt. Die Werft der Stadt baut und repariert bis heute Schiffe; historisch gingen von hier vor allem Getreide (Weizen, Mais, Gerste, Roggen, Hafer) und Bauholz aus dem fruchtbaren Umland und den Wäldern der Region auf die Reise donauabwärts.

Jahr Einwohner Bevölkerungsdichte (Einw./km²)
1930 100.600 417
2002 298.816 1.237
2011 249.432 1.033
2021 217.851 902

Trotz rückläufiger Einwohnerzahl seit den 2000er-Jahren zählt Galați weiterhin zu den größeren Städten Rumäniens.

Geschichte: vom „Goldenen Zeitalter“ bis zur Vereinigung

Rumänische Geschichte in Galatz
Illustration: mit KI erstellt — keine Original-Fotografie

1821 wurde die Stadt im Zuge der Unruhen um den griechischen Unabhängigkeitsaufstand in der Region mehrfach niedergebrannt, wurde aber jeweils wieder aufgebaut. Mit dem Porto-Franco-Freihandelsregime ab 1830 begann für Galați ein wirtschaftlicher Aufschwung, der als „Goldenes Zeitalter“ der Stadt gilt: Sie entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Handelsplätze an der unteren Donau. Wegen dieser wirtschaftlichen Stärke wurde Galați im Zuge der Vereinigung der rumänischen Fürstentümer unter Alexandru Ioan Cuza und dem Politiker Costache Negri sogar als mögliche neue Hauptstadt diskutiert — die Wahl fiel letztlich auf Bukarest.

Eine multikulturelle Stadt

Kulturelle Vielfalt in Galatz
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Als Handelsstadt zog Galați im 19. Jahrhundert Menschen unterschiedlicher Herkunft an. Laut einer Zählung von 1899 hatte die Stadt rund 62.700 Einwohner mit folgender Zusammensetzung:

Nationalität Anteil (1899)
Rumänen 60 %
Juden 20 %
Griechen 10 %
Armenier 5 %
Andere 5 %

Die religiöse Vielfalt zeigte sich in Gotteshäusern unterschiedlicher Konfessionen: orthodoxe, katholische, evangelische und reformierte Kirchen sowie eine Synagoge. Die einst bedeutende jüdische Gemeinde von Galați wurde durch die Verfolgung im 20. Jahrhundert fast vollständig ausgelöscht; ihr heute weitgehend verlassener jüdischer Friedhof zählt zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen dieser Geschichte.

Stadtbild: Altstadt und Neustadt

Galați breitet sich amphitheatralisch an einem Hügel über der Donau aus und gliedert sich in die Altstadt (Mahalà) mit unregelmäßigen Gassen und die im europäischen Stil angelegte Neustadt mit breiteren Straßen. Zu den bekanntesten Bauten zählen die orthodoxe Kathedrale und eine katholische Kirche im neugotischen Stil; der Kai an der Donau mit Blick auf den Fluss gehört zu den beliebtesten Orten der Stadt für einen Spaziergang.

Wirtschaft heute: Stahlwerk und Hafen

Neben dem traditionellen Flusshafen prägt seit den 1960er-Jahren das Stahlwerk der Stadt die lokale Wirtschaft: Das unter kommunistischer Führung zwischen 1960 und 1966 errichtete Kombinat war lange als Sidex, später als ArcelorMittal Galați bekannt und firmiert seit einer Übernahme 2019 als Liberty Galați. Es gilt weiterhin als größtes Stahlwerk Rumäniens und prägt bis heute Beschäftigung und Stadtbild.

Ausflüge und Nachbarstädte

Wer die multikulturelle Geschichte anderer rumänischer Handelsstädte vergleichen möchte, findet Parallelen in unseren Beiträgen zu Temeswar und Arad, beide im Westen des Landes gelegen. Wer sich für die Küche der Moldau-Region interessiert, findet einen Überblick in unserem Beitrag zur rumänischen Küche; ein Rezept für den deftigen Fleischeintopf der Region bietet unser Beitrag zu Tochitură.

Fazit

Galați verbindet die Geschichte einer einst multikulturellen Handelsstadt an der Donau mit der Gegenwart als Industriestandort: Während das 19. Jahrhundert von Freihandel, Getreideexporten und einer vielfältigen Bevölkerung geprägt war, dominiert heute neben dem Hafen vor allem das große Stahlwerk der Stadt die lokale Wirtschaft.

Häufig gestellte Fragen

Warum wurde Galați als Hauptstadt Rumäniens diskutiert?

Wegen seiner wirtschaftlichen Stärke als Handelsstadt an der Donau wurde Galați im Zuge der Vereinigung der rumänischen Fürstentümer unter Alexandru Ioan Cuza als möglicher neuer Regierungssitz erwogen. Die Wahl fiel letztlich auf Bukarest.

Wofür ist Galați heute bekannt?

Neben dem Flusshafen ist Galați vor allem Standort des größten Stahlwerks Rumäniens, das heute unter dem Namen Liberty Galați firmiert.

Was bedeutet das „Goldene Zeitalter“ von Galați?

Damit wird die Blütezeit der Stadt ab 1830 bezeichnet, als das Porto-Franco-Freihandelsregime Galați zu einem der wichtigsten Handelsplätze an der unteren Donau machte.

Welche Bevölkerungsgruppen prägten Galați historisch?

Um 1899 lebten neben einer rumänischen Mehrheit bedeutende jüdische, griechische und armenische Gemeinschaften in der Stadt. Die jüdische Gemeinde wurde im 20. Jahrhundert durch Verfolgung fast vollständig ausgelöscht.

Quellen und weiterführende Links