Cimitirul Vesel: Der fröhliche Friedhof von Săpânța

Beitragsbild: Foto: Andrei Stroe, „RO MM Sapanta merry cemetery 3″, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Im Dorf Săpânța in der Region Maramureș im Norden Rumäniens liegt der Cimitirul Vesel, zu Deutsch der fröhliche Friedhof. Statt gedeckter Farben und ernster Inschriften finden sich hier über 850 bunt bemalte Holzkreuze mit humorvollen, in Ich-Form verfassten Versepitaphen, die vom Leben der Verstorbenen erzählen. Der Friedhof gilt als eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Rumäniens.

Entstehung durch Stan Ioan Pătraș

Geschaffen wurde der Friedhof ab 1935 vom lokalen Holzschnitzer und Bildhauer Stan Ioan Pătraș. Er begann, Grabkreuze mit kurzen, ironischen Versen in der archaischen Mundart der Region zu versehen, oft aus der Perspektive der Verstorbenen selbst geschrieben. Ab 1936 entwickelte er seinen charakteristischen Stil weiter: schmalere Kreuze, geschnitzte Reliefszenen aus dem Leben der Verstorbenen und ein kräftiges Blau als Hintergrundfarbe, das heute unter Fachleuten als „Săpânța-Blau“ bekannt ist. Bis zu seinem Tod 1977 fertigte Pătraș nach unterschiedlichen Angaben rund 700 der Kreuze selbst an. Sein Schüler Dumitru Pop Tincu führte die Tradition anschließend fort und richtete das ehemalige Wohnhaus von Pătraș als Werkstatt und Museum ein.

Jedes Kreuz entsteht bis heute in traditioneller Handarbeit aus Eichenholz. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung Săpânța dauert die Fertigung eines einzelnen Kreuzes zwei bis drei Wochen; die Kosten können sich je nach Aufwand auf mehrere Tausend Lei belaufen. Damit ist der fröhliche Friedhof kein abgeschlossenes historisches Denkmal, sondern eine bis heute lebendige Handwerkstradition – neue Kreuze kommen fortlaufend hinzu, wenn im Dorf jemand stirbt.

Gestaltung der Kreuze

Jedes Kreuz zeigt eine gemalte Szene aus dem Leben oder Sterben der verstorbenen Person, umrahmt von geometrischen und floralen Mustern in Gelb, Rot, Grün und Weiß vor dem charakteristischen blauen Hintergrund. Die Versinschriften sind oft humorvoll oder selbstironisch gehalten und beschreiben Beruf, Eigenheiten oder Umstände des Todes der jeweiligen Person – eine für rumänische Ruhestätten ungewöhnliche, direkte und unverblümte Art der Erinnerung.

1998 belegte der Cimitirul Vesel beim Symposium für Grabmalkunst den ersten Platz in Europa und den zweiten Platz weltweit nach dem Tal der Könige in Ägypten. International offiziell als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen ist der Friedhof bislang nicht, häufig kursierende gegenteilige Angaben sind unzutreffend; die Gemeinde Săpânța hat allerdings Bestrebungen angestoßen, den Friedhof auf die europäische Kulturroute der bedeutenden Friedhöfe sowie langfristig auf eine UNESCO-Liste aufnehmen zu lassen.

Gegründet1935von Stan PătrașKreuzeüber 850ca. 700 von PătrașMarkenzeichenSăpânța-Blauseit 1936
Der Cimitirul Vesel in Zahlen.

Besuch: Öffnungszeiten und Eintritt

Der Friedhof liegt direkt neben der Dorfkirche von Săpânța und ist gegen ein kleines Eintrittsgeld von wenigen Lei zu besichtigen; genaue Beträge können sich ändern und sollten vor Ort erfragt werden. In unmittelbarer Nähe finden sich Souvenirläden sowie einfache Gaststätten für eine Rast nach dem Besuch. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung besuchen jährlich rund 50.000 Reisende aus aller Welt den Friedhof, was ihn zu einem der meistbesuchten Ziele der Region Maramureș macht. Weitere Informationen zur Gemeinde bietet die offizielle Website der Gemeinde Săpânța.

Gleich neben dem Friedhof lässt sich das ehemalige Wohnhaus von Stan Ioan Pătraș besichtigen, das heute als Gedenkhaus und Werkstattmuseum dient. Dort sind zahlreiche Originalarbeiten des Künstlers sowie sein originaler Werkzeugkasten ausgestellt; im Hof steht die historische Werkstatt, in der die ersten Kreuze entstanden. Details zum Gedenkhaus liefert die Website des Muzeul Maramureșan, das dem Gedenkhaus zugeordnet ist.

Anreise und Lage

Săpânța liegt im äußersten Norden von Maramureș, nahe der Grenze zur Ukraine, rund 18 Kilometer nordwestlich von Sighetu Marmației, dem wichtigsten Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region. Der nächstgelegene Flughafen ist Baia Mare, von dort führt die Straße über Sighetu Marmației weiter nach Săpânța. Wer den fröhlichen Friedhof mit weiteren Zielen in Maramureș verbindet, etwa den Holzkirchen der Region oder dem Freilichtmuseum, plant üblicherweise mehrere Tage ein, da die Distanzen zwischen den einzelnen Dörfern trotz kurzer Kilometerangaben durch die kurvige Straßenführung mehr Zeit beanspruchen als auf der Hauptstrecke.

Andere Regionen und Reisezeiten

Die Region Maramureș liegt im äußersten Norden Rumäniens und unterscheidet sich landschaftlich deutlich von anderen Reisezielen des Landes; einen Überblick über die benachbarte Region gibt der Beitrag Siebenbürgen. Wer die Reise mit weiteren Zielen kombinieren möchte, findet Anregungen im Beitrag Highlights in Rumänien im Herbst sowie Hinweise zur Reiseplanung im Ratgeber Die beste Reisezeit für Rumänien. Aktivreisende, die Natur und Wandern mit einem Kulturprogramm verbinden möchten, finden weitere Tipps im Beitrag Aktivurlaub in Rumänien. Wer auf der Fahrt durch Maramureș einen weiteren Halt einplanen möchte, findet einen Überblick über die Karpaten im Beitrag Karpaten in Rumänien, zur Kommunikation vor Ort hilft der Ratgeber Vorwahl Rumänien.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat den Cimitirul Vesel geschaffen?

Der Bildhauer Stan Ioan Pătraș begann 1935 mit der Gestaltung der bemalten Grabkreuze und prägte den charakteristischen Stil des Friedhofs bis zu seinem Tod 1977.

Wie viele bemalte Kreuze gibt es auf dem Friedhof?

Insgesamt stehen heute über 850 bemalte Holzkreuze auf dem Friedhof, von denen Pătraș selbst rund 700 anfertigte.

Ist der Besuch des Friedhofs kostenlos?

Nein, es wird ein kleines Eintrittsgeld erhoben. Die genaue Höhe kann sich ändern und sollte vor Ort erfragt werden.

Woher stammt die charakteristische blaue Farbe der Kreuze?

Sie wird als „Săpânța-Blau“ bezeichnet und geht auf die von Stan Ioan Pătraș verwendete Farbmischung zurück, die zum Markenzeichen des Friedhofs wurde.

Wird die Tradition der bemalten Grabkreuze noch fortgeführt?

Ja, nach dem Tod von Pătraș führte sein Schüler Dumitru Pop Tincu die Tradition fort; das ehemalige Wohnhaus des Künstlers dient heute als Werkstatt und Museum.

Ist der Cimitirul Vesel als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt?

Nein, entgegen häufig kursierender Angaben steht der Friedhof bislang nicht auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Gemeinde Săpânța verfolgt jedoch Bestrebungen, ihn auf die europäische Kulturroute bedeutender Friedhöfe sowie langfristig auf eine UNESCO-Liste aufnehmen zu lassen.

Wie kommt man von Sighetu Marmației nach Săpânța?

Die Strecke ist etwa 18 Kilometer lang und in rund 20 Minuten mit dem Auto zurückzulegen. Der nächstgelegene Flughafen ist Baia Mare.

Quellen und weiterführende Links