Fröhlicher Friedhof in Săpânța

Fröhlicher Friedhof in Sapanta
Andrei Stroe, RO MM Sapanta merry cemetery 3, CC BY-SA 3.0

Im Dorf Săpânța im äußersten Norden Rumäniens, in der Region Maramureș am Fuß der Karpaten, liegt einer der ungewöhnlichsten Friedhöfe der Welt: der Fröhliche Friedhof (Cimitirul Vesel).

Der fröhliche Friedhof von Săpânța

Statt kühler weißer oder grauer Grabsteine stehen hier reich verzierte, farbige Holzkreuze. Der Hintergrund ist fast immer in einem kräftigen Blauton gehalten, der als „Săpânța-Blau“ bekannt geworden ist.

Heute zählt der Friedhof mehrere hundert dieser Stelen: rechteckige Kreuze mit geometrischen, floralen oder astronomischen Mustern, andere gekrönt von zwei oder drei Bannern und einem kleinen Dach. Über jedem Grabstein finden sich gemalte Szenen und Verse, die den Verstorbenen auf humorvolle, oft selbstironische Weise darstellen – häufig anekdotenhafte Erinnerungen an dessen Leben oder Charakterzüge.

Wegen dieser ungewöhnlichen Gestaltung sind einzelne Gräber bei Besuchern besonders bekannt geworden, etwa das Kreuz eines Mannes namens Dumitru Holdiș, dessen Vers und Karikatur von seiner Vorliebe für Schnaps erzählen.

Geschichte

Crosses at Merry Cemetery - Sapanta Village, Romania.jp
Foto: Viorel Petcu, Crosses at Merry Cemetery – Sapanta Village, Romania, CC BY-SA 3.0 ro, via Wikimedia Commons (Quelle, Lizenz)

Angesichts der überwiegend orthodox geprägten und eher traditionsbewussten Bevölkerung der Region wirkt der heitere Umgang mit dem Tod zunächst ungewöhnlich. In der lokalen Erzählung wird er gelegentlich mit alten, vorchristlichen Vorstellungen der Region in Verbindung gebracht, wonach der Tod als Übergang in einen besseren Zustand gilt und keinen Grund zur Trauer allein bietet. Ein historisch lückenloser Nachweis für diese Deutungslinie fehlt allerdings; nachweisbar ist vor allem die Entstehung durch einen einzelnen Künstler.

Der Bildhauer Stan Ioan Pătraș (1908–1977) aus Săpânța schnitzte 1935 das erste bemalte Grabkreuz aus Eichenholz. Anfangs entstanden nur wenige Stück pro Jahr; bis zu seinem Tod 1977 hatte er nach überlieferten Angaben knapp 700 Kreuze angefertigt. Sein Schüler Dumitru Pop Tincu führte die Tradition anschließend jahrzehntelang fort, bis zu dessen Tod 2022. Heute wird die Werkstatt von weiteren lokalen Handwerkern weitergeführt.

Weitere Informationen

Săpânța
Pixi, Cimitirul Vesel de la Sapanta1, CC BY-SA 3.0

Kosten und Fotografieren

Der Besuch des Friedhofs ist kostenlos, Fotografieren ist erlaubt. Da sich solche Regelungen ändern können, lohnt sich vor Ort ein Blick auf aktuelle Hinweisschilder.

Kirche und Umgebung

In der Mitte des Friedhofs steht eine Kirche von 1886, die der Geburt der Gottesmutter geweiht ist und in den vergangenen Jahren umfassend saniert wurde; der aktuelle Stand der Arbeiten kann bei einem Besuch abweichen. Rund um den Friedhof haben sich mehrere Bars, Restaurants und Souvenirläden angesiedelt.

Beste Besuchszeit

Besucherberichten zufolge wirkt der Friedhof gegen Sonnenuntergang besonders ruhig, wenn die meisten Tagesausflügler bereits abgereist sind. Für Fotos ganz ohne Farbenpracht der Bäume eignet sich zudem der Herbst, wenn die Laubfärbung der umliegenden Hügel einen zusätzlichen Kontrast zum Săpânța-Blau der Kreuze bildet.

Wie kommt man nach Săpânța?

Săpânța liegt etwa 20 Kilometer von Sighetu Marmației entfernt, erreichbar über eine Straße durch die Hügel des Grenzgebiets zur Ukraine. Von Baia Mare, dem Verwaltungssitz der Region, sind es rund 50 Kilometer.

Da der öffentliche Nahverkehr in die Region eingeschränkt ist, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto. In Săpânța und Umgebung gibt es mehrere Unterkünfte. Wer die Reise mit einer größeren Rumänien-Rundreise verbindet, kombiniert den Besuch oft mit einer Fahrt weiter Richtung Siebenbürgen, etwa nach Sibiu.

Weitere Eindrücke und Detailaufnahmen der Grabkreuze zeigt unser separater Beitrag zum Cimitirul Vesel.

Fazit

Der Friedhof von Săpânța ist eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Rumäniens: ein Ort, an dem der Tod nicht mit Trauer, sondern mit Humor und Farbe begangen wird. Die umliegende Maramureș-Region ist zudem für ihre Holzkirchen und ihre traditionelle Landwirtschaft bekannt, was einen Besuch gut mit weiteren Zielen der Gegend verbinden lässt.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat den Fröhlichen Friedhof geschaffen?

Der Bildhauer Stan Ioan Pătraș schnitzte ab 1935 die ersten bemalten Grabkreuze aus Eichenholz. Nach seinem Tod 1977 führte sein Schüler Dumitru Pop Tincu die Tradition bis zu dessen Tod 2022 fort; heute wird die Werkstatt von weiteren Handwerkern weitergeführt.

Ist der Friedhof noch in Benutzung?

Ja, es werden weiterhin Verstorbene aus dem Ort dort bestattet und im gleichen Stil mit bemalten Holzkreuzen geehrt.

Wie lange dauert ein Besuch?

Für einen Rundgang über den Friedhof reicht in der Regel eine halbe bis ganze Stunde; wer die Inschriften lesen möchte (viele nur auf Rumänisch), sollte mehr Zeit einplanen.

Lässt sich der Besuch mit anderen Zielen in der Maramureș verbinden?

Ja. Die Region ist unter anderem für ihre traditionellen Holzkirchen bekannt, mehrere davon in der Nähe von Sighetu Marmației, das zugleich als Ausgangspunkt für die Anreise dient.

Quellen und weiterführende Links