Die Küche Rumäniens

Wenn es „Noroc“ und „pofta buna“ heißt, dann schlägt die Stunde der einheimischen kulinarischen Spezialitäten mit Geschmack, die bestens geeignet sind gegen jede Art von Diät. Manch einer ist überrascht, daß in Rumänien Tomaten noch nach Tomaten schmecken. Gemüse haben tatsächlich ihren Eigengeschmack. Wer einmal lapte batut zum Frühstück hatte, erinnert sich vielleicht noch, wie so etwas früher auch bei uns geschmeckt hat. Die Gans darf noch durchs Gras watscheln, das Huhn kommt nicht aus der Käfighaltung, und die nicht genormten Eier haben Ei-gengeschmack.

Die Küche kultiviert mehr und mehr die Stärken der rumänischen Spezialitäten: Die vielen Suppen, die man besser Eintöpfe nennen sollte, haben auf der Speisekarte noch ihren Stellenwert: Gemüsesuppe, Bohnensuppe, Rindfleisch- und Hühnersuppe, Kuttelsuppe. Unter den Hauptspeisen sind Sarmale, Tochitura, Wild als Braten, Musaka, mit Kalbfleisch gefüllte Paprika und viele weitere, auch regionale Spezialitäten nicht zu verachten. Häufig begleitet von dem in Rumänien so beliebten Maisbrei, Mamaliga oder Mamaliguta genannt. Nicht zu vergessen Tuica, Horinca, Palinka, Affinat und andere Schnäpse, die immer von einem nur dem Wirt oder Gastgeber bekannten Privatbrenner stammen, der nach einem alten, im engsten Familienkreis gehüteten Geheimrezept seine Erzeugnisse brennt – nur erkennbar an der Originalabfüllung in Fanta- und Pepsi- oder anderen Qualität signalisierenden Plastikflaschen.

Und kosten muß man natürlich auch die oftmals wirklich wunderbaren Rot- und Weißweine aus den vielen Anbaugebieten, die übrigens fast exakt auf dem gleichen Breitengrad liegen wie die von Piemont und Bordeaux. Die unvermeidlichen internationalen Standard-Rebsorten wie Sauvignon blanc, Chardonnay, Riesling, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot noir, bringen hervorragende Weine hervor, denn sie werden nach modernsten Regeln des Weinbaus und der Kellerwirtschaft ausgebaut. Doch wer die wahre Weinseele des Landes kennen lernen will, der sollte nach den autochthonen Gewächsen fragen wie Feteasca Regala, Feteasca Alba, Feteasca Neagra, Babeasca Neagra, Tamaioasa Romaneasca oder Grasa de Cotnari, um nur einige wenige der über 60 einheimischen Traubensorten zu nennen. Es lohnt sich, zu insistieren, denn von der Bedienung werden diese heimischen Sorten meist verheimlicht, da man sich mit den internationalen gern ein internationales Flair geben will.

Nicht selten wird es geschehen daß man sich selbst als Fremder einreihen darf oder muß bei einem der vielen kirchlichen oder jahreszeitlichen privaten, fast immer öffentlichen Feste und Feiern, sei es eine Hochzeit oder eine Taufe nach orthodoxem Ritus, die nichts zu tun hat mit dem unseren „Drei Tropfen Wasser aufs Haupt und einem Taufspruch fürs Leben“. In der orthodoxen Kirche dauert die Zeremonie ganze zwei Stunden im Stehen, wobei dem unbedarften Westler das Herz stehen bleibt, wenn der Priester den Täufling gleich drei Mal völlig untertaucht. Entschädigt wird man dann im Anschluß durch einen Schnelldurchgang quer durch die Küche der Region, der durch viel Tuica, Wein und Musik begleitet wird und nicht unter sechs Stunden dauert.

Daß Essen und Trinken Leib und Seele ganz gewichtig zusammen halten, merkt mancher Besucher erst, wenn er nach der Rumänien-Reise zuhause wieder auf die Waage steigt. Wenn das keine gewichtigen Gründe für eine Urlaubsreise nach Rumänien sind?

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